Skitourenberg Ronachkopf

Aus dem Dornröschenschlaf geholt!

Nach der Schließung des legendären Skigebiets Thumersbach im Jahr 1999 fiel der Berg in einen 15-jährigen Dornröschenschlaf. Wachgeküsst wurde der Ronachkopf im Winter 2014, als hier der erste Skitourenberg des Salzburgerlands eröffnete. Ich selbst habe als Dreijährige am Ronachkopf meine ersten Skiversuche gestartet - heute nutze ich meinen Hausberg ausgiebig für Early-Bird-Skitouren oder einen sportlichen Ausklang des Arbeitstages. 



Wir Thumersbacher sind allesamt gute Skifahrer. Das liegt sicher auch daran, dass wir in unserer Kindheit ein sehr kleines aber anspruchsvolles Skigebiet direkt vor der Haustüre hatten. Zugegeben, der langsame Einsersessellift bot nicht das Höchste an Komfort, doch das war uns egal. Ich erinnere mich noch sehr gut: Heim von der Schule, Skier schultern und zum Dorfplatz stiefeln. Dort wartete der alte orange VW-Bus, um uns zur Talstation zu bringen. Für die Fahrt mit dem Sessellift mit den roten Schalensitzen mit Styroporauflage durften die Skier nicht angeschnallt werden - sie wurden in einem kleinen Eisenkorb neben der Armlehne abgelegt und gut festgehalten, denn an der Bergstation sprang man vom Sessel und musste im Laufschritt den Ausstieg verlassen.

Zwei sehr steile Schlepplifte und ein Babylift komplettierten das Skigebiet. Unvergessen ist der Liftomat2000 - der einzigartige Selbstbedienungs-Bügelzugeber am Holzegglift. Mit einem Hebel fischte man sich den Bügel am Einstieg selbst vom Tragseil, worauf dieser vom Liftomat direkt unter das Gesäß der Skifahrer platziert wurde. Der Liftwart konnte sich somit auf das Zwicken der Punktekarte konzentrieren. Aus der Liftspur fallen verlangte an beiden Schleppern skifahrerisches Können, denn der einzige Weg nach unten führte über die enge Lifttrasse im Wald. Gute Wedler waren hier klar im Vorteil. Die Enzianhütte sorgte schon damals dafür, dass kein Skifahrer hungrig oder durstig blieb, und nur zu gut erinnere ich mich an den heißen Kakao mit dem großen Gupf Schlagobers, der mich an kalten Skitagen wärmte.



Skilegende Hermann Maier holt Gold am Ronachkopf

Die Pisten am Ronachkopf galten immer schon als selektiv und besonders die Jugendskitag-Rennen am steilen und meist eisigen Nordhang trennten hier die Spreu vom Weizen. Einfach waren die Tore nie gesteckt, denn auch die Kurssetzer waren der Meinung: „Die Thumersbacher sind gute Skifahrer!“ Siegespokal schaute bei mir leider keiner raus, zu gut war meine Konkurrenz. Doch ich freute mich ohnehin immer am meisten auf die Extrawurstsemmel und den Orangentee, die das Kaufhaus Dreiseitel im Ziel für die kleinen Starter bereithielt. Beim legendären Ronachkopflauf vom Gipfel bis ins Tal holte sich im Jänner 1994 der damals noch unbekannte Hermann Maier im Riesentorlauf die Goldmedaille. Wer weiß, vielleicht sogar ein wichtiger Meilenstein in seiner sportlichen Ski-Karriere? Die traumhaften Pisten mit sagenhaftem Rundumblick auf die Tauern und Steinberge konnten den Ronachkopf jedoch nicht vor seinem wirtschaftlichen Schicksal retten. Also wurde 1999 der letzte Liftbügel eingezogen und der Ronachkopf fiel daraufhin in einen tiefen Dornröschenschlaf.



Wachgeküsst nach 15 Jahren Dornröschenschlaf

Wie im Märchen bedurfte es auch in Thumersbach eines Prinzen, der den bei Einheimischen und Gästen ehemals so beliebten Skiberg wieder aus seinem Tiefschlaf holte. Es waren sogar einige Prinzen, denn der Geschäftsführer des Zeller Skiclubs, Fritz Unterganschnigg holte sich Ingo Dürlinger, Betriebsleiter auf der Schmittenhöhe, und die Initiative „Pro Thumersbach“ an seine Seite, um seine Vision eines eigenen Skitourenberges zu erfüllen. Gemeinsam mit Freiwillen aus dem Dorf wurde die Nordabfahrt wieder entwaldet und perfekt in Schuss gebracht. Auch Hüttenwirt Thomas Schmiderer, der die Enzianhütte mittlerweile von seinen Eltern übernommen hatte,  gab seine Zusage, die Enzianhütte auch im Winter für die Skitourensportler zu öffnen.

Seit dem Winter 2014 zieht die 2.500 m lange Skiroute mit moderaten 500 Höhenmetern nun unzählige Tourensportler an. Hier sind die befellten Skibergsteiger nicht nur geduldete Pistennutzer, sondern willkommene Hauptakteure des Skibergs. Am herrlichen Rundpanorama aus meiner Kindheitserinnerung hat sich natürlich auch nichts geändert und der Kakao auf der Enzianhütte ist immer noch eine süße Belohnung für mich. Beim Aufstieg über das Steilstück erinnere ich mich an den einen oder anderen Einfädler beim Jugendskitag. Auch so manches abenteuerliche Waldwegerl, das wir früher auf Skiern unsicher machten, ist heute noch zu erahnen. Am Gipfelplateau erinnert die kleine Hütte noch daran, wo sich früher die Bergstation des Babylifts befand. Heute genießen die Tourensportler an diesem Punkt die unglaubliche Aussicht auf Kitzsteinhorn, Zeller See und Schmittenhöhe.



Erste Spur bei Powder-Alarm

Bei Neuschnee heißt es früh aus den Federn kommen, um auf der unberührten Ronachkopf-Abfahrt die erste Spur in den Tiefschnee zu ziehen. Und dank der lediglich 500 Höhenmeter legen fitte Sportler nach der First Line im Pulver gleich nochmal die Felle an, um erneut aufzusteigen. Präpariert wird die Abfahrt nämlich erst, wenn sich die Powder-Junkies so richtig ausgetobt haben. Dann startet Ingo Dürlinger das Pistengerät - eine Leihgabe der Schmittenhöhe - und zieht seine Runden auf dieser gesicherten Skiroute. So kommen auch weniger versierte Geländefahrer zu einer genussvollen Abfahrt auf einer frisch präparierten Piste. Je nach Schneelage kann die Route von Anfang Dezember bis Mitte April begangen werden und bietet auch im Frühjahr noch eine schneesichere Abfahrt bis ins Tal. Damit trägt der wachgeküsste Ronachkopf dem unglaublichen Boom des Skitourengehens Rechnung und bietet das ideale Terrain für jene Sportler, die über gesicherte Routen zum Gipfel möchten. Ein Blick in die Zukunft des Ronachkopfs zeigt, dass die Initiatoren des Skiberges noch große Pläne haben: Ideen für eine Rodelbahn und weitere Schneeschuh-Routen zur Erweiterung des sanften Tourismuskonzeptes liegen bereits vor.