“UND ACTION” beim 1. Filmfest in Zell am See

Popcorn, Kuscheln & cineastische Leckerbissen in den legendären Zeller Lichtspielen am 13. & 14. Oktober 2017

“Die Welt da draußen ist nicht viel anders als unsere Welt hier im Innergebirg. Die Menschen auf der ganzen Welt einen dieselben Probleme, Wünsche und Vorstellungen. Im Grunde ist die Welt ein Dorf und um das zu zeigen, holen wir Filme aus Europa, Afrika, Amerika und Asien in die Lichtspiele Zell am See ...”

Mit diesem Statement hatte er meine volle Aufmerksamkeit und mich beschleicht seither die Gewissheit, dass das Filmfest Zell keinesfalls verpasst werden darf. Wer ist er? Gemeint ist Johannes Schwaninger, einer der beiden Initiatoren des Filmfestes Zell und treibende Kraft hinter dem kulturellen Schaffen in und um Zell am See. Johannes hat sich vor ein paar Tagen mit mir in einem der Highlights des Filmfestes, den legendären Lichtspielen Zell, getroffen und er hat sich Zeit genommen, mir ein paar zentrale Fragen zu beantworten. Fragen hatte ich viele und es folgten durchaus überraschende und interessante Antworten.


Servus Johannes, vielen Dank, dass du dir für mich Zeit nimmst und mich in dieser kultigen Location empfängst. Gleich mal vorweg, kann es überhaupt eine passendere Location für ein Filmfestival geben?

Wohl kaum würde ich sagen. Wie für viele ZellerInnen und PinzgauerInnen meines Alters habe ich eine besondere Beziehung zu den Lichtspielen Zell am See. Es ist eines der ältesten Kinos in Salzburg und wurde bereits Anfang der 1930er Jahre eröffnet. Wusstest du, dass Zell am See nach dem Krieg als eine Stadt der Filmemacher galt? Bei der Wahl dieser Location ging es mir aber um etwas anderes. Ich betrachte die Entwicklung moderner Kinozentren durchaus kritisch. Wie eigene Kleinstädte setzen Mega- oder Cineplexe alles daran, im Inneren homogen und gleich auszusehen. Ganz egal wo sich diese befinden, drinnen sieht es immer gleich aus. Es wird kaum Bezug zur regionalen Kultur hergestellt.

Das ist bei den Lichtspielen Zell am See anders. Sie sind und waren schon immer ein Zentrum regionaler und internationaler Filmkultur. Im Teenageralter bedeuten Film und Kino für viele Jugendliche den Einstieg in ein aktives Kulturleben. Ich bin mir sicher, dass viele junge Pinzgauer gar nicht wissen, dass es die Lichtspiele Zell am See gibt. Früher war das anders. Über Jahrzehnte hat die Filmkultur in und um Zell am See ausschließlich in den Lichtspielen stattgefunden. Mich würde interessieren, wieviele Pinzgauer im schummrigen Licht diverser Filmvorführungen den ersten Kuss bekommen haben (grinst). Dieser kulturelle Status muss bewahrt werden und wie können wir das besser fördern, als mit einem renommierten Filmfestival in Zell am See.



Da stimme ich dir voll und ganz zu. Wie ist die Idee vom Filmfest Zell genau entstanden, stammt diese nur aus deinem Kopf?

Nein, gemeinsam mit Andreas Schöpp bin ich seit Jahren sehr aktiv in der Zeller Kulturszene. Wir betreiben einen Kulturverein, im Zuge dessen wir bereits viele tolle Events in die Tat umsetzen konnten. Dabei haben wir einmal den Surf-Film Zen & Zero des österreichischen Regisseurs Phillipp Manderla gezeigt, der mich extrem beeindruckt hat. Da haben wir gesagt, machen wir doch ein Filmfestival. Phillipp ist damals sogar zu der Vorführung seines Films angereist, woraus eine Freundschaft entstanden ist. In der Zwischenzeit wurde Phillipp Head of Cinema im Red Bull Media House und hat uns bei der Entstehung der Idee vom Filmfestival aktiv unterstützt, indem er uns bei der Auswahl der Filme mit diversen Master DVDs sehr unter die Arme gegriffen hat.


Gutes Stichwort, wie wählt ihr die Filme für das Filmfestival aus und was ist euer besonderer Anspruch daran?

Zu allererst und als Hauptmotiv wollen wir ein Premieren-Festival sein. Wir zeigen Filme, bevor sie ins Kino kommen, bzw. haben wir einen regionalen Anspruch auf Exklusivität. Ein Film, der bei uns gezeigt wird, soll noch nie zuvor im Pinzgau über eine Leinwand gelaufen sein. Keiner unserer Filme, ist bis dato beispielsweise im Diesel Kino gelaufen. Wir bieten eine Alternative zum sonstigen Programm, wir duplizieren das bestehende Programm in keinster Weise. Das war nicht einfach, denn das Diesel Kino hat unter anderem wahnsinnig tolle Filme im Programm, die wir gerne gezeigt hätten, aber wir haben den hohen Anspruch an Exklusivität unseres Programms durchgezogen.


Habt ihr ein bestimmtes Set an Kriterien, die ihr bei der Filmauswahl beachtet?

Ja die haben wir und sie lassen sich mit drei Stichworten beschreiben: INTERNATIONALITÄT: Wir sind kein Festival des heimischen Films, wir gehen über die Grenzen hinaus. Wir Menschen kämpfen weltweit mit denselben Problemen. Das wollen wir zeigen. Die Welt ist im Grunde ein Dorf und uns verbindet so viel mit den Menschen auf anderen Kontinenten, auch wenn das heutzutage immer mehr in Vergessenheit gerät. Wir wollen keine regionale Zurückgezogenheit. Raus in die Welt und die Welt gehört zu uns rein ins Innergebirg. Die EXKLUSIVITÄT hatten wir schon, unsere Filme sollen exklusiv über die Leinwand der Lichtspiele Zell laufen und noch nicht zuvor in der Region gezeigt worden sein. Die RELEVANZ geht noch einen Schritt weiter. Uns interessieren ganz spezielle Lebensmodelle unserer Hauptdarsteller. Zentrales Thema sind diverse Lebensentwürfe abseits des Mainstream. Das Infragestellen der eigenen Person und ein gewisser Rückzug aus der Gesellschaft, die das dann allerdings auch zulässt. Eine wenn man so will Kollision mit gesellschaftlichen Normen hat unserer Meinung nach eine hohe soziale Relevanz.



Das klingt wirklich gut durchdacht. Wie wird der Ablauf des Filmfest Zell in etwa sein?

Das Programm ist übersichtlich dargestellt auf unserer Website filmfestzell.at. Wir zeigen in Summe zehn Filme an zwei Tagen. Freitag ist der Premierenabend mit Start um ca. 18:00 Uhr. Wir zeigen die Highlights "Turn it loose", "die Liebhaberin" und "Am Berg". Zwischen den Filmen setzen wir viel auf Information, es werden Gespräche mit Regisseuren, Filmemachern und Fans stattfinden. Wir haben Zusagen von Regisseuren und Produzenten, persönlich zum Filmfest zu kommen und für Fragen und Diskussionen zur Verfügung zu stehen - das ist schon eine gewisse Besonderheit. Der Samstag startet bereits um 10:00 Uhr mit einer Matinee und steht ganz im Zeichen der Familie. Groß und Klein können sich bis 20:00 Uhr abends Filme wie "Captain Fantastic", "Ernest & Celestine" oder "Alles steht Kopf" anschauen und sich von den Filmfestspielen Zell am See inspirieren lassen. Mit dem durchaus hochkarätigen Programm wollen wir unser Publikum fordern, aber nicht überfordern. Es soll ein Diskurs zu wichtigen Themen entstehen, wobei sich das Publikum auch weiterentwickelt, damit es gleich am 15. Oktober die Tage bis zum nächsten Filmfestival zu zählen beginnt.


Das heißt, ihr habt ambitionierte Pläne, mit dem Filmfest Zell 2018 auch wieder durchzustarten?

Selbstverständlich haben wir den. Die Exklusivität eines solchen Festivals wird funktionieren. Wir haben Großes vor und sind der Meinung, dass die Atmosphäre eines Festivals von vielen Menschen geschätzt wird. Wenn man in Sachen Kultur hohe Qualität liefert und Vertrauen aufbaut, dann wird Kultur ein integrativer Teil der Lebensqualität. Das gilt in der Stadt genauso wie auf dem Land. Weiters planen wir einen stark integrativen Charakter in das Filmfest einfließen zu lassen. Das Medium Film ist so vielfältig, es geht über die reine Berieselung hinaus. Leute sollen aktiv mitmachen, dahingehend haben wir bereits viele Ideen in unseren Köpfen, wie wir das Festival die nächsten Jahre weiterentwickeln werden. Aber als erstes freuen wir uns auf die erste Auflage des Filmfestes Zell am See. 


Das ist ein hervorragendes Schlusswort. Johannes, dank dir vielmals für das Gespräch und die vielen guten Infos rund um das Filmfest Zell und die Kultur bei uns.

Gerne, es freut mich immer sehr, über meine Ideen und Visionen zu reden. Ich nehme doch stark an, wir sehen am 13. & 14. Oktober beim Filmfest Zell am See?

Da kannst du dir 100%ig sicher sein, ich bin schon sehr gespannt auf die Filme und die Szenerie rund herum. 

Und wer weiß, vielleicht wirst du ja auch im schummrigen Licht der Lichtspiele Zell geküsst, wärst mit Sicherheit nicht der erste!

 

Im Gespräch mit Johannes Schwaninger haben wir nun tolle Infos über die Entstehungsgeschichte, den Background und die Organisation des Filmfestes Zell erfahren. Wenn auch Sie diesem Festival beiwohnen möchten, so können Sie ab sofort auf der Website filmfestzell.at sich mit dem Programm vertraut machen und Tickets online erwerben. Lassen Sie sich dieses kulturelle Highlight im Pinzgau nicht entgehen.

Wir sehen uns am 13. & 14. Oktober in den Lichtspielen Zell am See!