Rent a Ranger. Schuh for you.

Werner war mit sieben Jahren das erste Mal mit seinem Vater am Kitzsteinhorn Gletscher, der ihm schon damals sehr imponierte. Nach vielen Jahren Auslandserfahrung, unter anderem 20 Jahre als Helikopter-Skiguide bei Mister Mike Wiegele in Kanada, kehrt er auf das Kitzsteinhorn zurück und ist heute ein sesshafter Nationalparkranger. Werner Schuh führt Sommergäste der Region Zell am See-Kaprun zwei Mal täglich durch die Nationalparkgalerie am Kitzsteinhorn. Kostenlos. Als beschaulicher Einstieg und Schnuppertour in die üppige Welt der Erlebnisangebote des Nationalparks Hohe Tauern.



Ein weitgereister Mann, der doch wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrte. „Als vor zirka sechs Jahren der Job eines Nationalparkrangers ausgeschrieben war, hab ich mich einfach beworben“, erklärt Werner Schuh, der in Salzburg Kommunikations- und Sportwissenschaften studiert hat, seinen Eintritt in die 16-köpfige Ranger-Mannschaft des beliebten Schutzgebiets im Salzburgerland. Auf meine Frage, warum er hier oben seine Rolle als Naturvermittler sucht – erklärt er, dass es sich bei der kompakten Tour durch die gletschergekühlte Nationalparkgalerie quasi um den Einstieg in die große Welt des Nationalparks handelt, für all jene, die in ihrem Urlaub noch mehr entdecken wollen und dafür auf die Informationen und Geheimtipps des geschultes Personal zurückgreifen, auf das man sich stets verlassen kann. Während wir stolz auf den Glockner und andere majestätische 3.000er blicken, tummeln sich zirka 200 Höhenmeter unter uns viele fröhliche Menschen mit staunenden Gesichtern.



Back to the roots.

Werners Tagesablauf ist vielfältig, wie das Programm, das er und seine KollegInnen betreuen. Vom Lungau bis ins Wildgerlostal erstreckt sich sein Aktionsradius. Sein Publikum stammt aus der ganzen Welt. „Der Tourismus habe sicher zu einer geistigen Öffnung der Menschen geführt“, meint er. „Die Zeiten, in denen das eine Tal mit dem anderen (Nachbar-)Tal nicht gesprochen hat, sind wohl endgültig vorbei“, so der einheimische Ranger. Werner, der seinen Job nicht nur liebt sondern wirklich ernst nimmt, erkundet so gut es geht auch zahlreiche Seitentäler, jene Bereiche in denen keine offiziellen Führungen angeboten werden. Dort hat er seine „Platzerl“, wie er sie nennt. Werner Schuh besucht dabei immer wieder die gleiche Stelle, um Fauna und Flora still sitzend zu studieren, zum Beispiel im Obersulzbachtal. Und durch den Wiederholungseffekt würden sich auch scheue Tiere an ihn, also den Menschen, gewöhnen. Solche Orte braucht es, wenn er zum Beispiel „Bird Watcher“ aus Großbritannien führt, um Steinadler ins Objektivvisier zu nehmen.



„Ja, ich bin auf Facebook. Und hab auch schon einige Influencer geführt“

Die Digitalisierung sieht Werner zwar kommen, kann aber diesbezüglich auf gute Erfahrungen zurückblicken. Denn vor allem den sozialen Netzwerken und der nahezu in Echtzeit stattfindenden Kommunikation, kommt ein großer Stellenwert zu, wenn es um die Lokalisierung von Steinböcken oder Adler geht. Grundsätzlich ist die ständige Erreichbarkeit, vor allem in manchen Tälern, gar nicht gegeben. Bei Schulklassen kann es schon passieren, dass die Jungs und Mädels erst mal aufgeregt orientierungslos agieren, wenn Werner sie in eine handyfreie Zone ohne Mobilnetzempfang führt. Anfänglicher Skepsis weicht aber schnell Neugierde und juvenilem Tatendrang. Die SchülerInnen würden es sogar richtig genießen und aufblühen, in der analogen Naturzone.


Werner sucht seinen Ausgleich, den er ob des Outdoor-Jobs und ausreichender Bewegung eigentlich nicht braucht, gerne am Wasser. Eine schöne Gegenwelt zu den schroffen Gipfeln und den einsamen, dicht bewaldeten Tälern der Kernzone des Nationalparks. Ganz los lassen ihn die Berge nicht. Immer wieder besucht er auch den Triglav Nationalpark, ein slowenischer Bruder der Hohen Tauern. Einen Insidertipp möchte Werner noch loswerden. Ab Sommer 2017 gibt es die „Explorer-Tour“, ein neues Angebot der Nationalparkverwaltung, das über den Winter entstanden ist und die Teilnehmer vier Höhenzonen erkunden lässt.