Herrn Walters Gespür fürs Green.

Walter ist ein „Stodtinga“. So benennt die Salzburger Landbevölkerung Menschen aus der Stadt. Und wir sprechen dabei nicht von internationalen Großstädten, sondern von Salzburg Stadt, die von ihren Gründern und Bauherren schön in die Landschaft gezeichnet wurde und zirka 150.000 Einwohner zählt. Walter will aber nicht mehr zurück. Er lebt seit 30 Jahren im Pinzgau und wirkte Jahrzehnte lang als Restaurantleiter. Jetzt interpretiert er in der Rolle des Fairway Butler Dienstleistungskompetenz am und um die Greens des Golfclubs Zell am See-Kaprun.



Fairway Butler? In Zell am See-Kaprun? Ja genau richtig, denn der ansässige Golfclub in Zell am See – Kaprun leistet sich einen dienstleistungserprobten Mitarbeiter, der schaut, dass es seinem puttenden und pitchenden Publikum an nichts fehlt. Sonnenschutzcreme und kühlende Tücher für den leidenden Nacken im Sommer, Insektenspray und Getränke. Oder Schläger am Green vergessen? Walter, dessen Arbeitstage um 8 Uhr beginnen und „open-end“ haben, ist auf fast alles vorbereitet. Wenn ein Golfgast ob der bezaubernden Landschaft seinen Blick gerne mal spontan in ein Foto verewigen würde, das Gerät (heutzutage ja Smartphones) aber im Auto vergessen hat, no problem. Walter erledigt auch das und natürlich noch viel, viel mehr. Irgendwie beschreibt seine Dienstleistung ja auch das, um was es im Tourismus grundsätzlich geht. Denn auch andere Golfplätze im Alpenraum sind nicht verschandelt und geben zahlreiche Blicke frei. Auf schöne Berge und Täler, die der Schöpfer stilsicher auf die Erdkruste gezeichnet hat. Differenzierung muss her. Software und nicht nur Hardware, das predigen doch alle Tourismusberater. So gesehen, hat das Golfclubmanagement hier alles richtig gemacht und mit Walter einen ausdauernden, kommunikationsfreudigen Menschenfreund gefunden.



„Vor 20 Jahren hat mich der Virus Golf gepackt und nicht mehr losgelassen“.

Die Freundin hat ihn damals überzeugt. Vom taktischen Spiel im Grünen. Die gute Frau ist mittlerweile Geschichte, die Leidenschaft für den Golfsport hingegen geblieben. Als Pro oder Golflehrer sieht er sich aber keinesfalls, deshalb kommen ihm auch keine Tipps zum persönlichen Spiel über die Lippen, denn das ist ja nicht sein Job. Taktische Ratschläge zur Platzcharakteristik hingegen schon. Und das kommt beim spielenden Publikum immer sehr gut an, weil’s zur Spielfreude beiträgt.

Walters Lebenswurzeln ragen mittlerweile schon tief in den Pinzgauer Boden – 4 Generationen leben am Bauernhof mit angeschlossener Landwirtschaft. Meist sind es die Zugezogenen, die für ihren Wahl-Lebensort brennen und auch Walter schwärmt enorm vom Dreiklang aus Gletscher-Berge-See, der Nähe zu München oder der oberen Adria. Aber auch den Menschen, die hier leben. Herzlich ist er, der Menschenschlag im Pinzgau.

Die Stadt, die ist nichts für ihn – einfach zu groß. Der Blick nicht auf Rinder und Wiesen sondern meist von Beton und Asphalt beeinträchtigt. Auch pendeln sei für ihn keine Option. Aber auf meine Frage, was er denn zwischen November und April für seinen Lebensunterhalt tun würde, erwidert er kurz und bestimmt: „Irgendwas mit Schifahren“. Aber das wisse er noch nicht so genau, da wird sich schon noch was ergeben. Walter, der Lebenskünstler. Eine gute Portion Optimismus kann er nicht abstreiten.


„Wir leben im Paradies, period“.

Kann man überhaupt genug bekommen, wenn man seinen Büroalltag fast immer draußen hat? Zwar in einer von Mensch und Maschinenhand geformten und geshapten Natur, aber immerhin schön grün und tip-top gepflegt. „Butler, das ist ein Dienstleistungsauftrag wie in der Gastronomie“, so Walter mit seiner Sichtweise auf die Job-Description. Am Golfplatz gibt es zwar stärkere Tage und solche mit weniger Frequenz, aber zu tun ist immer was und Walters helfende Hände werden von der übrigen Belegschaft hoch geschätzt. Und wenn er mal nicht am 9. Loch Dienst aus Leidenschaft versieht, dann findet man ihn - sofern man orts- und gebirgskundig ist - auf seiner Schmalzgrubenalm, irgendwo oberhalb von Fusch an der Glocknerstrasse. Auf 1.800 Meter Seehöhe mit fließendem Gebirgswasser und ohne elektrischen Strom. Recht hast, Walter.