Hermanns Traum vom Fliegen

Vom Profibiker zum Hubschrauberpilot

Hermann Eder ist Berufshubschrauberpilot. Seit einem Jahr fliegt er für die am Zeller Flugplatz stationierte Firma „Sennair“ einen VIP-Helicopter vom Typ AS350, Ecureuil. Eigentlich noch nicht so außergewöhnlich ... Doch Hermann Eder ist erst 25 Jahre alt und somit zählt er zu den jüngsten Berufspiloten auf diesem Hubschraubertyp. Wer ist Hermann Eder, der es in Rekordzeit zum Hubschrauberpiloten gebracht hat?



Die Tür des Cafés öffnet sich und mit jugendlichem Elan stellt sich mein Interviewpartner vor. Erst einmal muss mein Geist das Bild meines jungenhaften Gegenübers mit seiner Tätigkeit als Pilot vereinen. Ob er immer schon wusste, dass er mal Pilot werden möchte, will ich wissen. Und bei einem Cappuccino beginnt er zu erzählen. Aufgewachsen in der Region Zell am See lag der sportliche Focus von Hermann Eder auf dem Biken in all seinen Facetten - vom Rennradeln, Downhillen bis zum Dirt- und Mountainbiken. „Hauptsache schneller als zu Fuß gehen“, lacht er und erzählt, wie er mit Freunden aus der „Lahnvalley-Crew“ vorm Haus eigene Trails gebaut hat. Doch immer begleitete ihn dieser eine Traum vom Fliegen, denn schon als Kind war für Hermann klar: „Ich will Hubschrauberpilot werden.“



Helden der Kindheit: Medicopter-Stars

Wenn man so will, kann man behaupten, dass die 1990-er-Jahre TV-Serie „Medicoper 117 - Jeder Einsatz zählt“ schuld daran sei, dass Hermann Eder heute eine 683 PS starke Turbine in der Luft bändigt. Er erzählt: „Ich war noch in der Volksschule, also durfte ich abends nicht so lange aufbleiben, um die Sendung zu sehen. Meine Mutter musste sie mir aufzeichnen. Wenn ich dann am nächsten Tag aus der Schule kam, führte mich mein erster Weg zum TV-Gerät - noch vor dem Mittagessen. So sehr faszinierte mich der Hubschrauber - die Handlung im Film war eher Nebensache für mich.“ Doch auch später verließ ihn der Traum vom Fliegen nicht, auch wenn er durch sein sportliches Hobby, das Biken, sein Ziel etwas aus den Augen verlor. „Nach der Matura verbrachte ich einige Monate zum Filmen in Kalifornien und Kanada. In dieser Zeit wurde mir plötzlich klar: ,Wenn ich jetzt meinen Traum vom Fliegen nicht verwirkliche, dann mach ich es nie mehr!’ Ich wusste bereits, dass mich mein beruflicher Weg nicht in die Bikeindustrie führt. Ich hatte nur noch das Fliegen im Kopf!“



Ausbildung in Rekordzeit

Also meldete er sich nach seiner Rückkehr in Oberösterreich für die Ausbildung zum Berufshelikopterpiloten an. In Rekordzeit von nur acht Monaten erlangte Hermann Eder die Lizenz für Europa - den amerikanischen Berufspilotenschein holte er sich später bei einem Aufenthalt in Florida. Doch der wahre Lottogewinn ereignete sich kurz nach der letzten Prüfung. „Ich hatte die Lizenz gerade zwei Tage in der Tasche und hörte, dass sich der Wirt vom Ingolstädter Haus einen Hubschrauber gekauft hat. Also schnürte ich die Wanderschuhe und stieg vier Stunden zur Hütte auf. Ich fragte Rudolf Senninger gerade heraus, ob ich einmal mitfliegen dürfte. Schon kurz darauf saß ich mit ihm im Hubschrauber. Es entstand eine gute Freundschaft und Rudi ist für mich einer der coolsten Charaktere, die ich kenne. Er ist immer super drauf und positiv. 2016 beschlossen wir, den Hubschrauber gemeinsam zu betreiben, und Rudi gründete die Heli-Firma ,Sennair’, bei der ich nun angestellt bin“, erklärt Hermann Eder.



Ein Sonnenaufgang flasht mich immer noch

Heute fliegt Hermann Eder VIP-Shuttles - etwa zu Ski-Weltcuprennen oder Motor-GP - macht Hochzeiten mit einem Heliflug zu unvergesslichen Events, geht für Fotoflüge in die Luft oder bringt eben mal Gäste vom Hotel zu ihrem Privatjet oder zu einem Gourmetdinner. „Natürlich staunen meine Gäste nicht schlecht, wenn ich sie abhole und sie langsam merken, dass ich nicht bloß der Shuttlefahrer zum Flughafen, sondern ihr Pilot bin. Auch wenn ich mittlerweile schon zig mal über den Zeller See hinweggeflogen bin - ein Flug im Sonnenauf- oder -untergang über meiner Heimat flasht mich immer noch. Wenn das Kitzsteinhorn und die Schmittenhöhe im ersten Sonnenlicht leuchtet und der See rötlich schimmert - das ist ein unvergleichlicher Anblick. Für mich ist es ein Privileg, meinen Beruf direkt vor meiner Haustür ausüben zu dürfen“, schwärmt der junge Pilot.  Zum Abschluss möchte ich wissen, welcher denn sein schönster Flug war, und spontan antwortet Hermann Eder: „Eigentlich sind alle Flüge schön. Doch für mich war es etwas Besonderes, erstmals meinen 87-jährigen Opa auf einen Flug mitzunehmen.“


Auch wenn Hermann Eder durch die Fliegerei wenig Freizeit bleibt, ist das Helikopterfliegen sein absoluter Traumjob. Er meint: „Ich fahre in der Früh einfach mit dem Rennrad zur Arbeit oder springe zwischendurch in den Zeller See. Meine Heimat bietet genug wunderschöne Gelegenheiten! Ich kann mir nicht vorstellen woanders, als in Zell am See-Kaprun, alt zu werden!“

 

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