Early Morning Runner aus Malmö.

Eigentlich war alles vorbestimmt. NHL oder eine Offizierskarriere beim schwedischen Militär. Geboren und aufgewachsen in Malmö (SWE) spielte er sich dort schnell in die zweite nationale Eishockeyliga und einige Auswahlteams. Der Onkel, ein Offizier, auch das eine Option. Aber es kam ganz anderes. Anfang der 1990er Jahre Skilehrerausbildung in Zell am See, da die Winter im skandinavischen Norden einerseits finster und der Pinzgauer Pulverschnee andererseits zu verlockend waren. Seit vier Jahren ist er nun als geprüfter Canyoning-, Rafting- und Trailrunning-Guide in und für die Region tätig. Aber der Reihe nach.



Der Jonas passt nicht ins „Schwedenklischee“ österreichischer Wintersportorte. Never. Der Kerl hat sich ziemlich arg in die Destination Zell am See – Kaprun verknallt. Ob die Pinzgauer Eisbären überhaupt wissen, welcher Rohdiamant in den 90ern hierher importiert wurde? Wohl nicht. Aber anstatt auf den Spuren von Daniel Alfredsson & Co. zu wandeln, führte ihn der – wie er sagt „einfachste Weg“ – dauerhaft in den Pinzgau. Erst im Winter, dann auch im Sommer, wo er bei einer Rafting- & Canyoningschule anheuern konnte. Integration geglückt. Schweden gegen Österreich getauscht. Ach ja, als Fotograf versuchte er sich auch. Absolvierte eine Ausbildung zum Schwarz-Weiss-Fotografen und hatte im nordischen Zuhause sogar eine eigene Dunkelkammer. Schöne analoge Nostalgie. Alles passé. Jetzt steht der zweifache Familienvater mit beiden Beinen und mit einer Intensität an Körperspannung fest in seinen Trailrunning-Schuhen und genießt bergauf- und bergablaufend die Vielseitigkeit der Region am Gletscher-Berg-See.



Trailrunning: Das lässige Oben-mit-Panorama-Laufen.

Zugegeben hört sich Trailrunnig für mich als Genuss-Flachläufer nicht nur anstrengend, sondern auch ein wenig gefährlich an. Singletrails mit steilen Abgründen links und rechts. Noch schlimmer: Kletterpassagen laufend überwinden. So ist es aber gar nicht, denn Tailrunning beginnt eigentlich vor der Haus- oder Hoteltüre, ganz wie man mag, sagt mir der Profi. Was ihm dabei so gut gefällt, ist die Vielfalt, die sich im Rahmen dieser Trendsportausübung bietet. Das Höhenlaufen, eine Art naturnahes Lauf-Cruisen auf Bergwegen oder am Grat. Aber gerne auch im Tal, um den See herum oder im Wald auf wurzeligen, schmalen Wegen. Echte Kampf-Performer braucht es beim Skyrunning, also der Bewältigung des Berges in möglichst direkter Route, über steile Pisten und sonstige Hindernisse, die Höhenmeter und der Untergrund formen. Eine Art „Uphill-Direttissima“ – klingt schön, ist es auch, versichert mir der schwedische Running Expert. In diesem Segment bietet Jonas mit seiner Company (www.frostrafting.at) Touren aller erdenklichen Schwierigkeitsgrade an. Beginner bis Expert-Level.



Mein Ziel: Ultratrail um den Mont Blanc.

Neben einer halbwegs guten Laufkondition sollte man auch das passende Material dabei haben. Vor allem auf die Schuhe kommt es an. Die Sohle hat ein gröberes Profil, als es Strassenlaufschuhe aufweisen und auch der Drop (der Höhenunterschied, also die Neigung zwischen Ferse und Vorfuß) ist anders. Wer Kaufberatung sucht, wendet sich besser an den nächsten Sporthändler oder meldet sich direkt bei Jonas und bucht gleich eine seiner Touren. Mit Gästen startet er ab 6:30 bis 7 Uhr. Nach einem Ausrüstungscheck geht’s dann auch schon los, aber nicht zu schnell. Eher Walking als Running. Oder die Tour startet gleich etwas weiter oben, dann nutzt man eine der Bergbahnen im Sommerbetrieb. Ist der Körper warmgelaufen, trennt sich der geschulte Trailrunner auch noch mal von einer Bekleidungsschicht, um nicht zu viel zu schwitzen. Ansonsten gilt, vorausschauend laufen und den Flow genießen, der sich beim Panoramalaufen auf sanften Bergrücken ganz sicher einstellt (Tipp: Neben den schroffen 3.000ern gibt es ja auch die sanfteren Pinzgauer Grasberge).


Ausgleich zum Trailrunnig braucht Herr Frost natürlich nicht. Aber wenn er alleine unterwegs ist, dann mit Hund und schon mal um 4:30 Uhr, wenn breite Bevölkerungsschichten noch friedlich in den Daunen liegen. Nicht nur Genuss sondern sehr viel hartes Training ist notwendig, damit sich Jonas endlich seinen persönlichen Traum erfüllen kann. Das ganz große Ziel, ist nämlich die baldige Teilnahme am Ultratrail um den Mont Blanc. Ein 170 Kilometer langer, freakiger Laufbewerb in Chamonix. Für die Teilnahme benötigt man einerseits ausreichend Qualifikationspunkte, andererseits aber auch etwas Glück, da die finalen Startplätze schlussendlich verlost werden. Und dieses Glück wünschen wir ihm. Gå för det, Jonas!