Der Traum vom Fahren

Zell am See von oben - bei den Balloonalps 2018

Warum heißt das eigentlich fahren und nicht fliegen, wir gehen doch in die Luft oder? Eine jener Fragen, die ich mir im Bezug auf Ballonfahren bis dato immer gestellt habe. Die Frage erübrigt sich übrigens, der Ballon fährt und fliegt nicht, ist einfach so. Vielleicht liegt es daran, dass Ballonfahren die ruhigste, edelste und wohl auch stylischste Art und Weise ist, sich in der Luft zu bewegen. Ich habe mir die Sache mal genauer angesehen, im Februar bei den Balloonalps 2018 in Zell am See-Kaprun.



Ballonfahrer Tage starten früh

Ich treffe meinen “Fahrer” um 08:30 Uhr am Flugplatz Zell am See. Erstmal kennenlernen und Check In. Peter Flaggl ist ein Profi und er ist zugleich Organisator der Balloonalps. Wichtige Info vorab - zum Glück habe ich diese früh genug bekommen - als Passagier sollte man sich warm anziehen, vor allem warme Schuhe sind wichtig. Im unteren Teil des Korbes wird es kalt, im Speziellen bei Winterfahrten. Der Oberkörper wird durch den Brenner, der die Luft im Inneren des Ballons heizt, ganz gut gewärmt.



Einweisung, Mithelfen und es geht los

Der Ballon liegt vor uns am Boden und erstreckt sich über ca. 30 Meter. Noch kann man sich nicht viel vorstellen von den Ausmaßen, die das Luftfahrtgerät annehmen wird. Peter bläst zuerst kalte Luft ins Innere des Ballons, die danach mit dem Brenner erhitzt wird. Das 500 PS Gebläse heizt dem Ballon ordentlich ein und er scheint sich über die heiße Luft an dem kalten Februartag zu freuen. Der Ballon bläht sich langsam und stellt sich auf. Sobald die Luft im Inneren ca. 100°C erreicht hat, ist der Balloon bereit zum Start.
 


Alles einsteigen, wir heben ab

So ein Heißluftballon ist kein Schnellzug, es braucht alles seine Zeit. Was gut ist, denn ich als interessierter Passagier will über alles genau Bescheid wissen und ich will auch mithelfen. Zum Nichtstun ist es sowieso etwas zu kalt. Unser vordringliches Ziel für heute liegt in einer Höhe von ca. 3.500 m Höhe. Dort befinden sich die starken Winde, die als Antrieb dienen. Viele glauben ja zu wissen und ich gehör auch dazu, dass man einen Ballon nicht steuern kann. Teilweise stimmt das natürlich, es gibt weder Steuerrad noch Knüppel. Der Experte weiß allerdings genau, in welcher Höhe welche Winde warten und berechnet damit die Route bzw. das Ziel der heutigen Fahrt. Er macht das mit Erfahrung, Wissen und exakten Wettervorhersagen. An guten Tagen kann man eine Höhe von bis zu 5.000 m Höhe erreichen. Dort sind die stärksten Winde und bei gutem Nordwind kann man durchaus eine Alpenüberquerung in Angriff nehmen. Unser Ziel für heute liegt näher, wir wollen ins Gasteinertal fahren. Also los geht’s.



Der Boden unter dem Korb wird mehr

Wir steigen auf, gleichmäßig, angenehm und ohne jedes Geräusch, nur der Brenner pfeifft eben die heiße Luft in den Ballon; sonst hört man nichts. Nach einer Runde über Zell am See und den Flugplatz steigen wir auf über 3.000 Meter und erreichen jene Winde, die uns heute über das Raurisertal in Richtung Gastein tragen sollen. Was jetzt kommt, ist Genuss pur. Der Tag könnte nicht schöner sein, die Fernsicht ist sensationell und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Peter hält genügend Abstand zu den Bergen, in der Nähe von Bergrücken und Hängen sind die Turbulenzen stärker, diese brauchen wir nicht. 

Die Aussicht von oben auf die bekanntesten und höchsten Berge unseres Landes, deren verschneiten Flanken und Gipfel ist einfach der Hammer. Die Schönheit übertrifft meine Erwartungen und unsere Reisegeschwindigkeit ist geradezu perfekt zum Sightseeing. Nach gut zwei Stunden Fahrt haben wir das Gasteinertal erreicht und sind auf der Suche nach einem geeigneten Landeplatz. Jetzt heißt es festhalten, die Landung kann schon mal ruppig zugehen, doch Peter ist ein Profi und setzt den Korb butterweich auf Pongauer Boden.



Zusammenpacken, Zurückfahren & Feiern

Beim Zusammenpacken des Ballon helfe ich natürlich mit. Unser Begleitfahrzeug hat die Route verfolgt und steht mit dem Hänger schon bereit. Es dauert eine Zeit, bis alles perfekt verstaut und zusammengepackt ist. Nach unserer Rückkehr am Flugplatz Zell am See wartet noch die Luftfahrer-Taufe auf mich. Hierzu wird mir, wie der Luftfahrer-Brauch es will, eine Haarsträhne angezündet und mit Sekt gelöscht. Na dann, Prost. Zusätzlich darf ich mich noch über eine Urkunde mit Brief und Siegel freuen heiße in Luftfahrerkreisen ab sofort: "Graf Stephan, hoch über die Tauern fahrender Luftritter, von und zu Zell am See! "

Echt lässiger Titel, klingt standesgemäß. Die Balloonalps 2018 waren ein wirkliches Highlight dieses Winters, das Wetter war perfekt. Neber unserer Fahrt nach Bad Gastein, haben die Teilnehmer noch Saalfelden ins Visier genommen und sind am letzten Tag bis nach Goldegg am See gefahren. Peter Flaggl hat mich mit seiner Luftfahrtkunst voll überzeugt. Er ist seit 24 Jahren als Ballonfahrer tätig und hat in dieser Zeit über 4.000 Fahrten absolviert. 

Ich freue mich auf die Balloonalps 2019 und hoffe, ich darf wieder bei Peter einsteigen!